
1. Anleger differenzieren wieder – und sprengen das KI-Blasen-Narrativ
Noch vor einem Jahr reichte das Label „KI“, um Aktien auf Rekordhöhen zu treiben. Doch inzwischen wird genauer hingeschaut. Anleger würdigen Substanz – und bestrafen heiße Luft.
Bestes Beispiel ist Oracle. Die Ankündigung milliardenschwerer KI-Projekte ließ den Kurs zunächst explodieren. Doch Zweifel am Return on Investment und an der Finanzierbarkeit der Offensive löschten die Euphorie. Die Aktie steht mittlerweile tiefer als vor dem Hype.
Alphabet hingegen hat zwei entscheidende Vorteile:
- Das Unternehmen kann massive Investitionen aus eigener Kraft stemmen – bis zu 93 Milliarden Dollar allein in diesem Jahr.
- Die KI-Ausgaben fließen in konkrete Anwendungen: Cloud, der KI-Assistent Gemini, Waymo, neue Suchfunktionen.
Die Google-Suche wird nicht verdrängt, sondern neu erfunden. Anleger erkennen das – und unterscheiden die Substanz von der reinen Story.
Die Folge: Sollte es eine KI-Blase geben, droht eher ein selektives Entladen statt eines flächendeckenden Crashs.
2. Größe zahlt sich aus – Alphabet deckt die gesamte KI-Wertschöpfungskette ab
Alphabet ist nicht nur Anwender, sondern Entwickler und Produzent im KI-Stack – eine seltene Kombination:
- eigene KI-Modelle,
- eigene Rechenzentren,
- eigene Chips (TPUs),
- eigene Anwendungen,
- weltweite Plattformen zur Skalierung.
Die größten Überraschungen kamen zuletzt aus dem Chipbereich. Google bietet seine Tensor Processing Units inzwischen auch extern an – und potenzielle Kunden wie Meta könnten beim Aufbau der eigenen KI-Infrastruktur auf Alphabet-Technologie setzen.
Damit greift Alphabet direkt Nvidia an. Deren Hinweis, Google bleibe weiterhin Kunde, wirkte eher defensiv. Alphabet beweist: Die künftigen Gewinner sind nicht nur die Schaufelhersteller, sondern die, die den gesamten Werkzeugkasten liefern können.
3. Alphabet wurde unterschätzt – ein Champion findet zu alter Stärke zurück
Wie realistisch war es, dass ausgerechnet Alphabet im KI-Zeitalter scheitert? Der Konzern hat das Internet im Blut, skaliert weltweit, innoviert in vielen Bereichen gleichzeitig und verfügt über die Kapitalbasis, KI in großem Stil umzusetzen.
Natürlich gab es Fehleinschätzungen und weniger erfolgreiche Experimente. Doch im Kern ist Alphabet längst mehr als eine Suchmaschine. Die Rally der vergangenen Monate ist Ausdruck einer Neubewertung:
- Alphabet ist belastbarer, profitabler und diversifizierter als viele dachten.
- Die KI-Roadmap ist konkreter und industrieller als die der meisten Konkurrenten.
- Anleger korrigieren ihr zu pessimistisches Bild – und holen das Unternehmen zurück in den Kreis der Top-KI-Profiteure.
Ausblick: Rücksetzer möglich – Chancen groß
Nach einem Kursanstieg von 80 Prozent sind kurzfristige Korrekturen normal und sogar gesund. Die Bewertung mit dem rund 31-Fachen des erwarteten Gewinns ist ambitioniert, aber nicht überzogen für ein Unternehmen mit Alphabets Skalierungskraft.
Die große Frage lautet: Wächst Alphabet weiter in seine Bewertung hinein?
Viel spricht dafür. Alphabet ist zurück – und könnte die KI-Dekade an der Börse maßgeblich prägen.