Mehr Patienten, ein größeres Team, neue Geräte oder zusätzliche Leistungen wirken zunächst wie naheliegende Antworten, wenn eine Praxis wirtschaftlich wachsen soll. Doch an der grundlegenden Abhängigkeit von der persönlich geleisteten Behandlungszeit ändern solche Maßnahmen nicht zwangsläufig etwas. Gerade für Physiotherapeuten entsteht daraus ein Widerspruch: Sie können fachlich anspruchsvolle Arbeit leisten und dennoch wirtschaftlich daran gebunden bleiben, wie viele Termine sie selbst bewältigen. Hinzu kommt die Frage nach dem Wert der eigenen Leistung. Sobald eine Behandlung nicht von der Krankenkasse übernommen wird, fällt es manchen schwer, einen entsprechenden Preis selbstbewusst zu vertreten. „Wenn ich meinen eigenen Wert nicht kenne und meine Arbeit nur danach ausrichte, was die Krankenkasse bezahlt, bestimme ich nicht selbst, wie meine Praxis und mein Leben aussehen sollen“, sagt Sven Glückselig von kraftwerk12.
„Wer seine Praxis selbstbestimmt gestalten möchte, braucht einen klaren therapeutischen Weg, muss den Wert der eigenen Arbeit kennen und Strukturen schaffen, die nicht allein von der eigenen Behandlungszeit abhängen“, so Sven Glückselig weiter. Diese Überzeugung prägt heute die Arbeit des Osteopathen, Heilpraktikers sowie Gründers und Geschäftsführers von kraftwerk12. Sein beruflicher Weg führte ihn in sehr unterschiedliche Arbeitswelten: von der Sternegastronomie über Tätigkeiten als Fitnesstrainer, Ernährungsberater und Massagetherapeut bis zur Osteopathie. Massage, Training und chiropraktische Ansätze ließen ihn verschiedene Formen körpernaher Arbeit kennenlernen. Gerade diese Erfahrungen führten schließlich dazu, dass Sven Glückselig seine bisherige therapeutische Arbeitsweise grundsätzlich hinterfragte.

Vom Zweifel zum eigenen Behandlungsansatz
In seiner Arbeit als Osteopath stieß Sven Glückselig immer wieder auf Behandlungsergebnisse, die ihn nicht zufriedenstellten. Beschwerden kehrten teilweise zurück oder Ergebnisse hielten nicht so lange an, wie er es sich erhoffte. Statt sein Repertoire deshalb um immer neue Einzelmethoden zu erweitern, begann er systematisch zu untersuchen, weshalb ein Vorgehen bei einem Patienten funktionierte und bei einem anderen nicht. „Irgendwann geht es nicht mehr darum, noch eine Technik zu kennen. Ich wollte einen roten Faden haben und wissen, was ich wann tue“, sagt Sven Glückselig.
Aus dieser Suche entwickelten sich schrittweise zwölf Techniken. Statt bei jeder Behandlung aus einer großen Sammlung therapeutischer Werkzeuge neu auszuwählen, sollen Therapeuten auf einen nachvollziehbaren Ablauf zurückgreifen können, der sich im Praxisalltag schnell abrufen und Schritt für Schritt anwenden lässt. Die Arbeitsweise beschreibt Sven Glückselig zudem als vergleichsweise sanft und körperlich weniger belastend, weil sie nicht permanent hohen Kraftaufwand voraussetzt.

Als aus dem eigenen System die kraftwerk12 Akademie entstand
Schon während seiner Zeit an einer Heilpraktikerschule begann Sven Glückselig, sein Wissen weiterzugeben. Dabei zeigte sich, dass auch Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen sein Vorgehen nachvollziehen und erlernen konnten. Diese Erfahrung legte den Grundstein für die heutige kraftwerk12 Akademie, die sich gezielt an Physiotherapeuten und Osteopathen richtet.
Über zwölf Monate vermittelt ein modulares Onlineportal in der Learning Suite die Inhalte schrittweise. Hinzu kommen drei Live-Tage pro Jahr, Zoom-Gruppencalls im Zwei-Wochen-Rhythmus und eine WhatsApp-Gruppe für Fragen aus dem Praxisalltag. Dabei können Teilnehmer erste Bestandteile des Systems bereits innerhalb der ersten Monate mit Probepatienten erproben. „Man muss nicht erst zwölf Monate warten, bevor man etwas davon in der Praxis ausprobieren kann“, sagt Sven Glückselig.
Die Akademie bildet heute eine von drei Säulen von kraftwerk12. Hinzu kommen die Osteopathiepraxis kraftwerk12 und „Osteo for Family“. Letzteres vermittelt Privatpersonen anatomische Grundlagen und ausgewählte osteopathische Techniken für das Familien- und Freundesumfeld, bildet jedoch keine gewerblich arbeitenden Therapeuten aus und ersetzt keine notwendige medizinische Versorgung.
Wenn der Therapeut selbst zum Engpass der Praxis wird
Für Sven Glückselig gehört zu einer gut aufgestellten Physiotherapiepraxis mehr als die Qualität der Behandlung. Ebenso wichtig ist, wie stark der wirtschaftliche Erfolg von der persönlichen Arbeitszeit des Therapeuten abhängt. Wer den Großteil seines Umsatzes selbst an der Liege erwirtschaftet, kann schließlich nur begrenzt mehr leisten, ohne gleichzeitig mehr Stunden zu arbeiten und den eigenen Körper stärker zu belasten. „Mehr Patienten sind nicht automatisch die Lösung. Wenn ich dafür selbst immer mehr behandeln muss, habe ich am Ende nur mehr Arbeit“, sagt Sven Glückselig.
Deshalb vermittelt die kraftwerk12 Akademie neben therapeutischen Techniken auch, wie sich eine Praxis insgesamt besser aufstellen lässt. Dazu gehören der Umgang mit Patienten von der Begrüßung bis zur Verabschiedung, eine verständliche Gesprächsführung, die Preisgestaltung und der sinnvolle Einsatz von Privatleistungen. Sven Glückselig möchte Physiotherapeuten dabei auch darin stärken, den Wert ihrer Arbeit verständlich zu vermitteln und Leistungen selbstbewusst anzubieten, wenn diese nicht von der Krankenkasse übernommen werden.
Ein zusätzliches Gerät, neue Selbstzahlerangebote oder weitere Mitarbeiter reichen dabei allein nicht aus. Für Sven Glückselig kommt es darauf an, Behandlung, Abläufe, Kommunikation und Preisgestaltung aufeinander abzustimmen. So kann eine Praxis wirtschaftlich wachsen, ohne dass zusätzlicher Umsatz zwangsläufig durch immer mehr persönliche Behandlungsstunden des Inhabers entstehen muss. Welche Ergebnisse sich damit erreichen lassen, hängt von der jeweiligen Praxis, ihrem Leistungsangebot, ihrer Preisgestaltung und der konkreten Umsetzung ab.

Mehr Freiheit für Beruf und eigenes Leben
Eine langfristig tragfähige Praxis muss deshalb therapeutische Qualität und wirtschaftliche Stabilität miteinander verbinden. Physiotherapeuten sollen ihre Zeit sinnvoll einsetzen können, statt höhere Einnahmen ausschließlich durch zusätzliche Behandlungsstunden zu erzielen. Gleichzeitig sollte der Berufsalltag die eigene körperliche Belastbarkeit berücksichtigen und genügend Raum für Familie, Freizeit und Erholung lassen.
Mit kraftwerk12 verfolgt Sven Glückselig darüber hinaus ein fachliches Ziel: Therapeuten sollen sich an gemeinsamen Grundprinzipien orientieren können, ohne ihre individuelle Arbeitsweise aufzugeben. Patienten wären dadurch weniger davon abhängig, bei wem sie behandelt werden, weil bestimmte Grundlagen vergleichbar bleiben. Dabei geht es nicht um starre Abläufe, sondern um eine gemeinsame Orientierung, die weiterhin Raum für individuelle Entscheidungen lässt. „Anderen zu helfen sollte nicht bedeuten, dass man sich selbst dabei dauerhaft vergisst“, betont Sven Glückselig.
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