Negative Strompreise sind längst keine Seltenheit mehr am Energiemarkt. Immer häufiger kommt es zu Stunden, in denen Strom an der Börse rechnerisch kostenlos ist oder Abnehmer sogar Geld für den Verbrauch erhalten. Besonders bei energieintensiven Unternehmen weckt das verständlicherweise Interesse: Wer hohe Stromkosten trägt, sucht nach Möglichkeiten, seine Ausgaben zu senken und wirtschaftliche Vorteile aus Marktbewegungen zu ziehen. Gleichzeitig entsteht jedoch ein weit verbreitetes Missverständnis. Denn der an der Strombörse veröffentlichte Preis ist nur ein Teil der tatsächlichen Energiekosten eines Unternehmens. Wer allein auf spektakuläre Schlagzeilen zu negativen Strompreisen blickt, riskiert Fehlentscheidungen bei der Energiebeschaffung. Schließlich spielen Vertragsmodelle, Verbrauchsprofile, Netzentgelte und zahlreiche weitere Kostenbestandteile eine entscheidende Rolle für den tatsächlich wirksamen Strompreis. „Wer negative Strompreise isoliert betrachtet, unterschätzt das Risiko deutlich. Ohne passende Vertragsstruktur und aktives Risikomanagement können kurzfristige Preisvorteile nicht nur verpuffen, sondern im ungünstigen Fall zu höheren Gesamtkosten führen“, erklärt Julian Rosenthal, Geschäftsführer der BVGE Consulting GmbH.
„Negative Strompreise sind kein Selbstzweck. Entscheidend ist, ob Unternehmen überhaupt in der Lage sind, diese Marktphasen wirtschaftlich zu nutzen. Dafür müssen Vertrag, Verbrauchsverhalten und Risikosteuerung zusammenpassen“, erläutert Julian Rosenthal weiter.
Mit genau diesen Fragestellungen beschäftigt sich die BVGE Consulting GmbH seit vielen Jahren. Das Unternehmen mit Sitz in Siegen begleitet bundesweit Unternehmen unterschiedlichster Branchen beim Energieeinkauf sowie bei energiewirtschaftlichen Dienstleistungen. Knapp 100 Mitarbeiter betreuen mehr als 2.740 Bestandskunden und verfügen über Erfahrung aus über 11 Terawattstunden vermitteltem Energievolumen. Durch ein breites Lieferantennetzwerk und eine konsequent lieferantenunabhängige Beratung entwickelt die BVGE Consulting GmbH individuelle Beschaffungsstrategien, die sich an den wirtschaftlichen Zielen, dem Verbrauchsprofil und der Risikobereitschaft jedes einzelnen Unternehmens orientieren. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Preisschwankungen gewinnt diese individuelle Betrachtung immer stärker an Bedeutung.
Julian Rosenthal von der BVGE Consulting GmbH: Warum negative Strompreise immer häufiger auftreten
Negative Strompreise entstehen immer dann, wenn das Stromangebot die aktuelle Nachfrage übersteigt und Erzeuger bereit sind, für die Abnahme von Strom zu zahlen. Besonders häufig tritt dieses Phänomen an sonnigen Wochenenden und Feiertagen zwischen 11 und 15 Uhr auf. Zu diesen Zeiten speisen Photovoltaikanlagen große Strommengen ins Netz ein, während der gewerbliche Verbrauch vergleichsweise gering ausfällt. Ähnliche Situationen entstehen in windstarken Nächten zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden, wenn Windkraftanlagen viel Strom liefern, die Nachfrage jedoch niedrig bleibt. Hinzu kommt, dass viele konventionelle Kraftwerke aufgrund hoher An- und Abfahrkosten lieber kurzfristig zu negativen Preisen weiter produzieren, als ihre Anlagen abzuschalten.
Die Entwicklung zeigt deutlich, wie relevant dieses Thema inzwischen geworden ist: Die Zahl negativer Stunden am Day-Ahead-Markt der EPEX Spot stieg von 211 Stunden im Jahr 2019 auf 573 Stunden im Jahr 2025. Für 2026 rechnen Marktanalysten sogar mit 700 bis 900 negativen Stunden. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem der starke Ausbau erneuerbarer Energien sowie strukturelle Ungleichgewichte im System. Ende 2025 waren in Deutschland rund 117 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert, wodurch an sonnigen Tagen große Strommengen gleichzeitig in den Markt drängen.
Gleichzeitig wächst der Ausbau von Speichern und flexibel steuerbaren Verbrauchern nicht im gleichen Tempo mit. Fehlende Speicherkapazitäten erschweren es, überschüssigen Strom zwischenzuspeichern und zeitversetzt zu nutzen, während mangelnde Flexibilität auf der Nachfrageseite verhindert, dass Verbrauch gezielt in Zeiten mit hohem Angebot verlagert wird. Negative Strompreise werden damit zunehmend zum festen Bestandteil des Energiemarktes. Für Unternehmen stellt sich daher weniger die Frage, ob solche Marktphasen auftreten, sondern wie die eigene Beschaffungsstrategie darauf ausgerichtet werden kann.
Warum negative Börsenpreise nicht automatisch zu niedrigeren Stromkosten führen
Viele Unternehmen sehen negative Börsenpreise und erwarten eine direkte Senkung ihrer Stromkosten. Genau hier liegt jedoch ein verbreiteter Denkfehler. Der Börsenpreis ist lediglich ein Bestandteil der gesamten Beschaffungskosten und bildet nicht den tatsächlich wirksamen Energiepreis im Unternehmen ab. Neben dem Börsenpreis fallen weitere Kostenbestandteile an, darunter Netzentgelte, Steuern, Umlagen, Abgaben sowie Lieferantenmargen und Kosten für Beschaffung, Strukturierung, Messung und Abrechnung. Gerade Steuern, Umlagen und Abgaben können dazu führen, dass negative Börsenpreise nur teilweise oder gar nicht als direkte Entlastung im Unternehmen ankommen. Auch Lieferantenmargen und Beschaffungskosten beeinflussen den Endpreis, da Lieferanten die Stromlieferung, Bilanzierung, Abwicklung und Marktrisiken kalkulieren müssen.
Zudem profitieren Unternehmen nur dann direkt von negativen Strompreisen, wenn ihr Stromvertrag eine vollständige oder teilweise Kopplung an den Spotmarkt vorsieht. Unternehmen mit klassischen Festpreisverträgen erhalten von kurzfristigen Marktbewegungen dagegen in der Regel nichts mit. Doch auch Unternehmen mit spotmarktnahen Vertragsmodellen profitieren nicht automatisch vollständig von negativen Börsenpreisen, da die übrigen Kostenbestandteile weiterhin bestehen bleiben. „Der Börsenpreis ist das, was in den Schlagzeilen steht. Was im Unternehmen tatsächlich wirkt, ist eine ganz andere Zahl und genau die muss im Mittelpunkt jeder Beschaffungsentscheidung stehen“, betont Julian Rosenthal von der BVGE Consulting GmbH.
Festpreis, Spotmarkt oder Hybrid: Welche Vertragsmodelle Chancen und Risiken sinnvoll verbinden
Festpreisverträge bieten eine hohe Planungssicherheit und schützen vor starken Preisschwankungen. Gleichzeitig schließen sie jedoch direkte Vorteile aus negativen Spotmarktpreisen weitgehend aus. Reine Spotmarktverträge ermöglichen dagegen die unmittelbare Nutzung niedriger oder negativer Börsenpreise, setzen Unternehmen jedoch auch höheren Preisrisiken aus, insbesondere in Phasen mit geringer Wind- und Solareinspeisung, in denen die Preise deutlich steigen können.
Wer blind in ein reines Spotmarktmodell wechselt, setzt sich unnötigen Preisschwankungen aus, wenn keine passende Absicherung vorgesehen ist.
Deshalb gewinnen Hybridmodelle zunehmend an Bedeutung. Sie kombinieren einen abgesicherten Festpreisanteil mit einem flexiblen Spotmarktanteil. Der feste Anteil erleichtert die Kalkulation und schützt vor starken Preisspitzen, während der variable Anteil die Möglichkeit eröffnet, günstige oder negative Börsenpreise wirtschaftlich zu nutzen. Die konkrete Ausgestaltung hängt dabei maßgeblich davon ab, wie planbar der Verbrauch ist, welche technischen Flexibilitäten im Unternehmen vorhanden sind und welches Risiko die Geschäftsführung bereit ist zu tragen. „Wir bewerten Spotmarkt-, Festpreis- und Hybridmodelle nie isoliert, sondern immer anhand der wirtschaftlichen Ziele und der Risikobereitschaft des jeweiligen Unternehmens. Denn zwei Betriebe mit gleichem Jahresverbrauch können völlig unterschiedliche Lastprofile und Preisrisiken haben“, erklärt Julian Rosenthal.
Julian Rosenthal von der BVGE Consulting GmbH: Wie Unternehmen ihre eigene Flexibilität erkennen und nutzen können
Ob negative Strompreise wirtschaftlich relevant werden, hängt jedoch nicht nur vom gewählten Vertragsmodell ab, sondern maßgeblich vom tatsächlichen Verbrauchsverhalten. Unternehmen profitieren nur dann direkt, wenn sie in den entsprechenden Zeitfenstern Strom beziehen oder Lasten gezielt in diese Phasen verlagern können. Betriebe mit flexiblem Verbrauch haben hier einen klaren Vorteil, da sie ihren Strombezug aktiv an günstige oder negative Preisphasen anpassen können. Unternehmen mit starren Verbrauchsprofilen stehen dagegen vor größeren Herausforderungen, da sich Maschinenlaufzeiten, Schichtmodelle oder Produktionsprozesse häufig nur eingeschränkt verschieben lassen. Besonders bei durchlaufenden Prozessen sind die technischen Spielräume oft begrenzt und müssen sorgfältig geprüft werden.
Gleichzeitig unterschätzen viele Unternehmen ihre tatsächlichen Möglichkeiten. Der Fokus liegt häufig ausschließlich auf der Hauptproduktion, während steuerbare Lasten in anderen Bereichen unberücksichtigt bleiben. Potenziale finden sich jedoch oft in Kühlanlagen, Druckluftsystemen, Lüftungstechnik, thermischen Speichern, Ladeinfrastruktur oder der Gebäudetechnik.
Was vor einem Modellwechsel geprüft werden sollte
Vor einem Wechsel in ein Spotmarkt- oder Hybridmodell empfiehlt sich eine umfassende Analyse der bestehenden Verbrauchs- und Laststruktur. Dabei sollten Unternehmen zunächst ihr Lastprofil genau kennen und prüfen, wann und in welchem Umfang Strom verbraucht wird. Nur auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, ob ein variabler Preisanteil überhaupt sinnvoll genutzt werden kann. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Prozesse zeitlich verschoben werden können. Kühlung, Druckluft, Lüftung, Speicher, Ladeinfrastruktur oder Gebäudetechnik sollten daraufhin untersucht werden, ob sie flexibel steuerbar sind.
Auch geplante Investitionen in Photovoltaikanlagen oder Batteriespeicher gehören in die Bewertung, da sie die zukünftige Strombeschaffung maßgeblich beeinflussen können.
Ergänzend lohnt sich ein Blick auf Lastspitzen, da deren Reduzierung auch die Netzentgeltbelastung senken kann. Eine fundierte Beschaffungsentscheidung berücksichtigt daher neben dem Marktpreis auch Verbrauchsdaten, Produktionsrhythmen, Vertragslaufzeiten, geplante Investitionen sowie die Frage, wie viel Kostenunsicherheit wirtschaftlich tragbar ist. Erst auf Basis dieser Faktoren lässt sich beurteilen, ob und in welchem Umfang negative Strompreise tatsächlich wirtschaftlich nutzbar sind.
Deshalb bewertet die BVGE Consulting GmbH Spotmarkt-, Festpreis- und Hybridmodelle nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit Verbrauchsdaten, Produktionsplanung, Vertragslaufzeiten, Investitionsvorhaben und wirtschaftlichen Zielen. Ziel ist es, Chancen aus dem Markt zu nutzen, ohne dabei unnötige Risiken einzugehen. Für viele Unternehmen muss der Wechsel dabei kein Sprung ins kalte Wasser sein. Häufig kann bereits mit dem nächsten Vertragsauslauf ein Hybridmodell aufgebaut werden, das einen bestehenden Festpreisanteil beibehält und gleichzeitig die kontrollierte Nutzung von Chancen am Spotmarkt ermöglicht.
Fazit
Negative Strompreise werden den Energiemarkt auch in den kommenden Jahren prägen. Für Unternehmen stellen sie ein wichtiges Marktsignal dar, aber keineswegs eine automatische Kostenersparnis. Ob und in welchem Umfang von negativen Preisen profitiert werden kann, hängt maßgeblich von der Vertragsstruktur, dem Verbrauchsprofil und der technischen Flexibilität ab. Entscheidend ist daher nicht der einzelne Börsenwert, sondern die Frage, ob die eigene Energiebeschaffung überhaupt darauf ausgelegt ist, solche Marktphasen wirtschaftlich zu nutzen.
Unternehmen, die ihren Energieeinkauf frühzeitig analysieren und strategisch weiterentwickeln, können die entstehenden Chancen gezielt nutzen und gleichzeitig Risiken begrenzen. Die BVGE Consulting GmbH unterstützt dabei mit einer lieferantenunabhängigen Beratung, umfangreicher Markterfahrung und individuell entwickelten Beschaffungsmodellen, die auf die jeweiligen Anforderungen des Unternehmens zugeschnitten sind.
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