Gerade gut verdienende Angestellte, Führungskräfte, Selbstständige und Unternehmer stehen bei ihrer Geldanlage häufig vor einem Dilemma: Einerseits wollen sie ihr vorhandenes Kapital effizient einsetzen und langfristig Vermögen aufbauen. Andererseits fehlt ihnen im anspruchsvollen Berufsalltag meist die nötige Zeit, um permanent Kurse zu beobachten und kurzfristige Handelsentscheidungen zu treffen. Buy and Hold bietet hier einen vergleichsweise ruhigen Ansatz, erzeugt neben möglichen Dividenden allerdings nicht automatisch regelmäßige Einnahmen aus den vorhandenen Aktien. Daytrading verspricht dagegen deutlich mehr Aktivität, verlangt dafür aber durchgehende Aufmerksamkeit, schnelle Entscheidungen und hohe Disziplin. „Genau das passt letztlich nicht zum Ziel dieser Menschen: mehr finanzielle Freiheit bei überschaubarem Zeiteinsatz. Bei all diesen Erfordernissen schaffen sie sich damit neben ihrem eigentlichen Beruf nur eine weitere zeitintensive Aufgabe“, erklärt Anne Schwedt.
„Langfristig gehaltene Qualitätsaktien müssen allerdings nicht zwangsläufig ungenutzt im Depot liegen“, fügt die Wall-Street-Expertin hinzu. Sie bezeichnet diesen Ansatz anschaulich als „Aktien vermieten“: Ähnlich wie eine Immobilie Mieteinnahmen ermöglichen kann, kann der Anleger für ein zeitlich begrenztes Optionsrecht auf vorhandene Aktien eine Prämie erhalten. Diese Prämie wird für das eingeräumte Recht gezahlt und setzt nicht voraus, dass der Aktienkurs anschließend zwingend steigt. So kann sie die langfristige Aktienanlage um laufende Prämieneinnahmen ergänzen. Ihre Einschätzung beruht dabei auf praktischer Erfahrung mit unterschiedlichen Wegen an der Börse. Zunächst lernte Anne Schwedt das Börsenhandwerk direkt am Börsenfloor bei professionellen Marktteilnehmern. Danach erprobte sie unter anderem Buy and Hold, Daytrading, Swing Trading, Kryptowährungen und komplexere Optionsgeschäfte. Schließlich konzentrierte sie sich wieder auf Qualitätsaktien und ergänzte deren Wertentwicklung um Optionsprämien.

Buy and Hold: Langfristiger Vermögensaufbau mit wenig laufendem Aufwand
Buy and Hold gehört zu den bekanntesten Ansätzen für Anleger, die ihr Vermögen langfristig entwickeln möchten. Dabei werden ausgewählte Aktien oder ETFs über einen längeren Zeitraum gehalten, um an der wirtschaftlichen Entwicklung der zugrunde liegenden Unternehmen beziehungsweise Märkte teilzuhaben. Anne Schwedt wertet dieses Vorgehen keineswegs pauschal ab, sondern betrachtet das langfristige Halten guter Unternehmen als eine Grundlage für soliden Vermögensaufbau. Ein wesentlicher Vorteil liegt im geringen laufenden Zeitaufwand.
Gleichzeitig hängt die Wertentwicklung jedoch wesentlich davon ab, wie sich die gehaltenen Anlagen wirtschaftlich und an der Börse entwickeln. Hinzu kommt: Abgesehen von möglichen Dividenden entstehen durch das bloße Halten der Aktien nicht automatisch monatliche Einnahmen.
„Für mich ist das vergleichbar mit einer leer stehenden Wohnung: Der Vermögenswert ist vorhanden, aber er erzeugt nicht automatisch eine laufende Miete“
Daytrading: Wenn die Geldanlage zur täglichen Aufgabe wird
Ganz anders funktioniert Daytrading: Hier nutzen Trader kurzfristige Kursbewegungen durch häufige Käufe und Verkäufe. Dafür müssen Sie Märkte laufend beobachten, neue Situationen kurzfristig bewerten und zahlreiche Entscheidungen treffen. Gerade für Menschen mit einem anspruchsvollen Beruf oder einem eigenen Unternehmen kann dieser Aufwand erheblich sein. Hinzu kommt das Risiko einzelner Fehlentscheidungen: Bleibt eine erwartete Kursbewegung aus oder läuft der Markt in die entgegengesetzte Richtung, kann ein Trade teils erhebliche Verluste verursachen.
Private Anleger treten dabei zudem gegen professionelle Marktteilnehmer an, die teilweise über bessere Daten, schnellere technische Infrastruktur und ihre gesamte Arbeitszeit verfügen. Auch psychologische Faktoren spielen eine Rolle: Angst, Gier und Ungeduld können kurzfristige Entscheidungen beeinflussen und dazu führen, dass Positionen zu früh verkauft oder zu lange gehalten werden. „Daytrading ist nicht grundsätzlich ungeeignet – es stellt aber hohe Anforderungen an Ausbildung, Infrastruktur, Zeit und Disziplin“, betont Anne Schwedt.

Aktien vermieten: Langfristiges Halten um Optionsprämien ergänzen
Anne Schwedt ordnet das „Aktien vermieten“ zwischen langfristigem Halten und permanent kurzfristigem Handel ein. Dabei bleiben ausgewählte Qualitätsaktien grundsätzlich langfristig im Depot und werden zusätzlich für gedeckte Optionsgeschäfte eingesetzt. Vereinfacht ausgedrückt räumt der Anleger ein zeitlich begrenztes Recht auf vorhandene Aktien ein und erhält im Gegenzug eine Optionsprämie. Die Prämie wird für das eingeräumte Optionsrecht gezahlt und fließt zunächst unabhängig davon, ob sich der Kurs anschließend nach oben, unten oder seitwärts bewegt.
Das ersetzt Buy and Hold nicht, sondern erweitert es um einen weiteren Mechanismus. Die Kursrisiken der Aktien bleiben dabei bestehen: Fällt eine Aktie, entsteht wie beim Buy and Hold ein Buchverlust, den die vereinnahmte Prämie zwar mindern, aber nicht verhindern kann. Gleichzeitig sind mögliche Kursgewinne oberhalb des zuvor selbst gewählten Verkaufspreises begrenzt. „Der entscheidende Unterschied besteht für mich darin, dass ich nicht ständig kurzfristige Kursrichtungen vorhersagen muss, sondern mit wiederkehrenden, regelbasierten Abläufen arbeite“, verrät Anne Schwedt. Nach entsprechender Einarbeitung benötigt sie für diese Vorgehensweise nach eigenen Angaben ungefähr ein bis zwei Stunden monatlich. Damit stehen weit weniger tägliche Entscheidungen im Mittelpunkt als beim Daytrading.

Fazit: Drei Ansätze, drei unterschiedliche Mechanismen
| Buy and Hold | Daytrading | Aktien vermieten | |
| Rolle des Anlegers | Langfristiger Eigentümer | Aktiver Händler | Eigentümer mit zusätzlichen Prämieneinnahmen |
| Laufender Ertrag | Mögliche Dividenden | Unregelmäßige Gewinne oder Verluste | Optionsprämien |
| Zeitaufwand | Gering | Hoch | Nach Einarbeitung ca. 1–2 Stunden monatlich |
| Voraussetzung für Erträge | Kurssteigerungen und/oder Dividenden | Passende kurzfristige Kursbewegungen | Keine bestimmte kurzfristige Kursrichtung; die Prämie wird für das eingeräumte Optionsrecht gezahlt |
Im direkten Vergleich verfolgen Buy and Hold, Daytrading und „Aktien vermieten“ unterschiedliche Prinzipien. Welche Vorgehensweise im Einzelfall passt, hängt dabei von den persönlichen Voraussetzungen, dem vorhandenen Kapital, dem gewünschten Zeitaufwand und der eigenen Risikobereitschaft ab. „Die drei Ansätze sollte man nicht danach beurteilen, welcher pauschal der beste ist, sondern danach, wie ihre Mechanik, ihr Zeitaufwand und ihre Entscheidungsfrequenz zu den eigenen Voraussetzungen passen“, fasst Anne Schwedt zusammen.
In ihrem Live-Workshop erklärt Anne Schwedt, wie gedeckte Optionsstrategien funktionieren und worauf es bei der praktischen Umsetzung ankommt!