KfW Research: Mittelstand im Energiepreis-Schock

Das Geschäftsklima im deutschen Mittelstand hat aufgrund der gestiegenen Energiepreise und der unterbrochenen Lieferketten durch den Krieg im Nahen Osten deutlich nachgegeben. Im April sank der Wert des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers um 4,1 Zähler auf minus 22,4 Punkte – damit liegt er unter dem Stand während der Energiekrise 2022. Die Beurteilung der Geschäftslage verschlechterte sich deutlich, die Geschäftserwartungen sanken erheblich.

Für das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer werden monatlich mehr als 9.500 Unternehmen aus allen relevanten Wirtschaftsbereichen nach ihrer aktuellen Situation und ihren Erwartungen befragt, differenziert nach Unternehmensgrößen.

Der Stimmungseinbruch im Mittelstand zeigte sich branchenübergreifend. Besonders stark fiel der Rückgang im Baugewerbe aus, das mit einem Minus von 10,4 Zählern auf minus 17,5 Punkte zu kämpfen hat. Diese Entwicklung ist vor allem auf die höheren Zinsen sowie mögliche Preissteigerungen bei petrochemischen Baustoffen zurückzuführen. Auch im Einzelhandel und im Dienstleistungssektor bleibt die Lage aufgrund von gestiegenen Kraftstoffkosten und einer schwächeren Kaufkraft der Konsumenten angespannt.

Etwas stabiler hielten sich im April die Großunternehmen. Hier stiegen die Lageurteile sogar etwas, während sich die Erwartungen weiter eintrübten. Ursächlich für das stabilere Geschäftsklima waren insbesondere die großen Bauunternehmen, die stärker von staatlichen Aufträgen profitieren dürften.

Besonders deutlich stiegen die Absatzpreiserwartungen: Bei den kleinen und mittleren Unternehmen kletterte der Wert um 8,9 Zähler auf 20,7 Punkte, bei den Großunternehmen sogar um 10,5 Zähler auf 20,0 Punkte. Zwar liegen diese Erwartungen weiterhin unterhalb des Niveaus aus der Energiepreiskrise 2022, dennoch könnten anhaltende Preiserhöhungen die Europäische Zentralbank dazu bewegen, ab dem Frühsommer den Leitzins anzuheben. Dies würde auch im kommenden Jahr dämpfend auf die Konjunktur wirken.

“Steigende Preise, wirtschaftliche Unsicherheiten und geopolitische Spannungen haben das Geschäftsklima des Mittelstands wieder auch Talfahrt geschickt”, sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. “Bei einem zeitnahen Kriegsende besteht durch den fiskalpolitischen Schub aber durchaus noch die Chance auf ein signifikantes Wachstum in diesem Jahr sowie eine weitere Beschleunigung 2027.”

You May Also Like
Weiterlesen

Mehr Milliardäre als jemals zuvor: manager magazin veröffentlicht Liste der reichsten Deutschen 2024

Mit einem geschätzten Vermögen von 43,7 Milliarden Euro ist Lidl-Gründer Dieter Schwarz (85) der reichste Deutsche. Schwarz verdrängt damit die BMW-Großaktionäre Susanne Klatten (62) und Stefan Quandt (58) auf Rang 2 in der Reichstenliste des manager magazins. Auf Platz 3 rangiert mit einem geschätzten Vermögen von 33,8 Milliarden Euro wie im Vorjahr die Familie Merck, der die Mehrheit am gleichnamigen Pharma- und Chemiekonzern gehört.
Weiterlesen
Weiterlesen

Absturz der Preise: Erbschaftssteuer spült Immobilien auf den Markt?

Aufgrund einer weitreichenden Änderung im Jahressteuergesetz wird sowohl das Schenken als auch das Erben ab 2023 teurer. Dieser Umstand könnte viele Menschen dazu veranlassen, teure Erbschaften wie Immobilien zu veräußern. Doch inwieweit wirken sich die Gesetzesänderungen im nächsten Jahr wirklich auf den Immobilienmarkt aus?
Weiterlesen
Weiterlesen

Die Kunst der Kaufentscheidung Der Einfluss von Werbung auf das Gedächtnis der Konsumenten

Die Qual der Wahl. Noch nie mussten die Menschen so viele Entscheidungen treffen wie heute. Die vielen Möglichkeiten machen uns das Leben schwer. Etwa alle drei Sekunden steht eine Entscheidung an. Viele davon sind Kaufentscheidungen. Kein Wunder also, dass unser Kopf als Schutz vor Überforderung bei vermeintlich unwichtigen Entscheidungen auf Autopilot stellt.
Weiterlesen
Weiterlesen

Unternehmen müssen sich branchenübergreifend neu ausrichten: Bain baut Turnaround-Expertise weiter aus

Dysfunktionale Lieferketten, drohende Energieknappheit, hohe Inflation und steigende Zinsen setzen Unternehmen in allen Branchen massiv unter Druck. Gleichzeitig gilt es, die Digitalisierung weiter voranzutreiben und vorgegebene Emissionsziele zu erreichen. Um die Firmen bei der erforderlichen Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle zu unterstützen und sie in existenzbedrohenden Krisen zu stabilisieren, erweitert die internationale Unternehmensberatung Bain & Company einmal mehr ihre fachliche und personelle Expertise in den Bereichen Turnaround und Transformation.
Weiterlesen
Weiterlesen

d-fine mit klarer Wachstumsprognose für 2023: Mehr als 200 neue Stellen und Inflationsausgleichsprämie in voller Höhe

Um die weiterhin steigende Nachfrage am Markt zu bedienen, plant die in Frankfurt ansässige, europaweit tätige Unternehmensberatung d-fine für 2023 alleine in Deutschland mehr als 200 neue Stellen. Zielgruppe sind insbesondere Hochschulabsolventinnen und -absolventen naturwissenschaftlicher, mathematischer und technischer Studiengänge.
Weiterlesen