Stagnation auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Einstellungsabsichten flachen ab

© ManpowerGroup Deutschland GmbH
Das aktuelle Arbeitsmarktbarometer der ManpowerGroup prognostiziert für das zweite Quartal einen saisonal bereinigten Netto-Beschäftigungsausblick* (NBA) von 18 Prozent – 5 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorquartals. Damit kommt der Aufwärtstrend des letzten Quartals abrupt zum Stillstand. Im globalen Vergleich liegen die Jobaussichten in Deutschland damit deutlich unter dem internationalen Durchschnittswert von 31 Prozent. Die Ergebnisse spiegeln die Einschätzungen der Unternehmen zum Zeitpunkt der Befragung wider. Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen, insbesondere die Eskalation im Nahen Osten, fanden darin daher noch keine Berücksichtigung.

“Der Optimismus auf dem deutschen Arbeitsmarkt zum Jahresstart scheint vorbei”, sagt Iwona Janas, Country Manager der ManpowerGroup Deutschland. “Die Zahlen lassen darauf schließen, dass der Fokus im zweiten Quartal auf Stabilität, Kontinuität und nachhaltigen Einstellungen liegt. Doch Unternehmen dürfen jetzt das Momentum nicht verlieren und müssen bei der Planung langfristig denken.”

Das zeigt auch die Frage nach der konkreten Planung der Arbeitgebenden in Deutschland: 45 Prozent planen keine Veränderung der Personalanzahl, 35 Prozent beabsichtigen zwischen April und Juni Personal aufzubauen und nur 18 Prozent rechnen mit einem Stellenabbau, vor allem damit begründet, dass frei gewordene Stellen nicht nachbesetzt werden können (37 Prozent).

“Die Zahlen des ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometers unterstreichen, dass der Fachkräftemangel sich zwar im Vergleich zu den Vorjahren leicht entspannt hat, aber noch lange nicht vorbei ist”, erklärt Janas. “Wenn Unternehmen Schwierigkeiten bei der kurzfristigen Nachbesetzung offener Stellen haben, müssen sie bestehende Strategien und Herangehensweisen hinterfragen, um die passenden Personen aus einem engen Pool an Fachkräften anzusprechen. Hier sind Personaldienstleister wie wir gefragt.”

Neueinstellungen werden mit Unternehmenswachstum (38 Prozent) und Nachbesetzungen (31 Prozent) begründet. Unternehmen, die keine Veränderungen planen, geben an, dass die derzeitige Personalstruktur ausreichend für die eigene Zielerreichung ist (41 Prozent) und dass keine großen Marktveränderungen in ihrer Branche zu erwarten seien (27 Prozent).

KI bringt noch wenig Nutzen für das Recruiting

Zusätzlich zu ihren Beschäftigungsplänen hat die ManpowerGroup Arbeitgebenden nach ihrer Nutzung und dem Mehrwert von KI gefragt. Den größten ROI sehen deutsche Unternehmen im Bereich Einsatzplanung und Prognosen (17 Prozent), jedoch gibt rund jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) an, noch gar keinen positiven Effekt durch den Einsatz von KI feststellen zu können. Nur 10 Prozent der Arbeitgebenden sind der Meinung, dass aktuelle KI-Lösungen ihre Erwartungen in Bezug auf Recruiting, Onboarding und Weiterbildung vollständig erfüllen. 30 Prozent der befragten Unternehmen nutzen KI aktuell weder im Recruiting, beim Onboarding oder bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitenden.

Auch generell sehen Arbeitgebende den Einsatz von KI durchaus problematisch: Nur 9 Prozent geben an, keinerlei Hindernisse bei der Nutzung von KI ausmachen zu können. Zentrale Herausforderungen beim seien in erster Linie Datenschutz- und regulatorische Bedenken (15 Prozent), dicht gefolgt von unklaren Regeln für den Einsatz (10 Prozent) und fehlender KI-Kompetenz der Beschäftigten (9 Prozent).

Deutschland bei Beschäftigungsabsichten im unteren Drittel

Im weltweiten Vergleich zeigt sich, dass vor allem europäische Länder im Jahresvergleich rückläufige Einstellungsabsichten aufweisen. Neben Deutschland (-4 Punkte auf 18 Prozent) sind das die Schweiz (-7 Punkte auf 18 Prozent), Frankreich (-5 Punkte auf 15 Prozent), Belgien (-11 Punkte auf 13 Prozent), Slowakei (-8 Punkte auf 3 Prozent) und Rumänien (-13 Punkte auf -5 Prozent). Rumänien weist zusätzlich den niedrigsten NBA weltweit auf, der höchste NBA findet sich in Indien (68 Prozent, mit einer Verbesserung von +25 Punkten).

Informations- & Kommunikationsbranche sowie Versorgung & natürliche Ressourcen legen zu

Nur vier von neun untersuchten Sektoren** in Deutschland können ihren NBA im Vergleich zum Vorjahr steigern. Der Bereich Versorgung & natürliche Ressourcen kann mit +13 Prozentpunkten den größten Anstieg für sich verbuchen. Die Informations- & Kommunikationsbranche gewinnt +4 Prozentpunkte hinzu. Nur leicht verbessert zeigen sich auf niedrigem Niveau (NBA: 7 Prozentpunkte) das verarbeitende Gewerbe (+2) und der Bereich Handel und Logistik mit einem NBA von 24 Prozentpunkten (+1).

In allen anderen Sektoren haben sich die Jobperspektiven zum Teil stark eingetrübt: Insbesondere das Gastgewerbe blickt mit einem Rückgang von -24 Prozentpunkten und einem NBA von 22 pessimistischer auf die kommenden drei Monate. Ebenfalls stark betroffen von den zurückhaltenden Beschäftigungsaussichten sind die Finanz & Versicherungsbranche mit 18 Prozent (-21 Punkte im Jahresvergleich) sowie der Bau- & Immobiliensektor mit 15 Prozent (-12 Prozentpunkte).

Überregional rückläufige Zahlen, Stadtregionen trotzen dem Trend

Im regionalen Vergleich weist Berlin den höchsten NBA auf (27 Prozent, -1 Punkte im Vergleich zum Vorjahr), während die Region Süd mit 9 Prozent den niedrigsten NBA verzeichnet (+1 Punkt). Im Vergleich zum Vorjahr verliert der Westen mit einem NBA von 16 (-11 Punkte) besonders deutlich. Auch im Osten blicken die Unternehmen bei einem NBA von 17 Prozentpunkten pessimistischer in die Zukunft als von einem Jahr (-10 Punkte). Positiver fällt der Ausblick in den Stadtregionen München (+6 Punkte auf 21 Prozent, wobei die Region im Vorquartalsvergleich mit -17 Punkten kurzfristig verliert) und Frankfurt (+5 Punkte auf 26 Prozent) aus.

Kleine Unternehmen wollen wachsen

Kleine Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten zeigen mit einem NBA von 24 eine positive Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr (+8 Punkte). Alle weiteren Unternehmensgrößen weisen spürbare Rückgänge auf. Am stärksten sind diese bei Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden (-14 Punkte auf 3 im Vergleich zum Vorjahr) und bei Großunternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden (-11 Punkte auf nur noch 6 Prozent).

Zu den vollständigen Ergebnissen und dem kostenlosen Download

*Der Netto-Beschäftigungsausblick (NBA) errechnet sich aus dem Anteil der Unternehmen, die einen Beschäftigungsanstieg erwarten, abzüglich derer, die einen Beschäftigungsrückgang prognostizieren. An der Befragung nahmen weltweit über 47.100 und deutschlandweit 1.004 Unternehmen teil. Die aktuelle Untersuchung wurde im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 3. Februar 2026 durchgeführt.

**Über die Branchen

ManpowerGroup hat die Branchenklassifizierung aktualisiert, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse und Aussagen die globale wirtschaftliche Struktur besser widerspiegeln. Mit der Veröffentlichung des MEOS Q1/2026 werden die Daten für neun Branchen ausgewiesen: Bau & Immobilien; Finanzen & Versicherungen; Gastgewerbe; Information & Kommunikation; Verarbeitendes Gewerbe; Professionelle, wissenschaftliche & technische Dienstleistungen; Öffentlicher Sektor, Gesundheit & soziale Dienste; Versorgung & natürliche Ressourcen sowie Handel & Logistik. Die historischen Daten wurden neu klassifiziert, um die Konsistenz im Zeitverlauf zu gewährleisten. Die nationalen und regionalen Auswertungen bleiben unverändert. Diese Aktualisierung verbessert die Vergleichbarkeit mit anderen Studien und gewährleistet eine größere Relevanz für Kunden, Medien und Marktteilnehmer.

Über das ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer

Das Arbeitsmarktbarometer ist auch als ManpowerGroup Employment Outlook Survey (MEOS) bekannt und existiert bereits seit über 60 Jahren. Die Studie wird im Dreimonats-Rhythmus veröffentlicht und gilt weltweit als wichtiger Indikator zur Einschätzung der zukünftigen Arbeitsmarktentwicklung. Die Studie ist die umfassendste zukunftsorientierte Beschäftigungsumfrage ihrer Art und misst repräsentativ die Erwartungshaltung von Arbeitgebern zur Beschäftigungslage ihres eigenen Unternehmens in Bezug auf das jeweils vorausliegende Quartal. Die Ergebnisse sind aufgeschlüsselt nach Branchen und Regionen und finden weltweit bei Ökonomen, Arbeitsmarktexperten und Finanzanalysten Beachtung.

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